Empfindliche Stahlschränke ausreichend schützen

Es ist eine beeindruckende Zahl: 100.000 Unternehmen auf der ganzen Welt sind Kunde bei der Schweizer Lista AG. Und auch der deutsche Ableger in Bergneustadt im Bergischen Land liefert einen Großteil seiner Stahlschrank-Produktion weit über die Landesgrenzen hinaus bis ins ferne Asien. So erfreulich die hohe Exportquote für das Unternehmen ist, so bringt sie doch auch eine Herausforderung mit sich: Die Transportverpackung.

„Solange wir im Inland mit unserem bewährten Speditionspartner arbeiten, ist alles in Ordnung", berichtet Dietrich Wiebe, Leiter der Endmontage und des Versands bei der Lista GmbH. „Die Probleme beginnen, wenn unsere Produkte mehrmals umgeladen werden müssen, bevor sie beim Kunden ankommen — und das ist beim Versand ins Ausland eigentlich immer der Fall." Dass im rauen, stets von Termindruck geprägten Arbeitsalltag des Logistikgewerbes nicht immer die gebotene Sorgfalt und Vorsicht eingehalten wird, bekamen die Schrankbauer aus dem Bergischen über Jahre anhand zahlreicher Reklamationen aufgrund von Transportschäden zu spüren. „Dabei machen uns nicht die wirklich schweren Beschädigungen Sorgen, denn die machen nur einen kleinen Prozentsatz aus und sind gut nachvollziehbar", sagt Wiebe. „Es sind die kleinen Macken, Kratzer und Beulen, von denen man hinterher nicht mehr so recht sagen kann, wo, wie und durch wen sie entstanden sind. Unsere Schränke sind durch die großen, empfindlichen Oberflächen besonders anfällig dafür.“

Besonders das Handling durch Gabelstapler erwies sich als schadensträchtig: Beim Aneinanderstellen der Paletten stießen die überstehenden Zinken immer wieder gegen die Fracht. Aufkommen muss für solche Schäden das mit dem Versand beauftragte Unternehmen, und das wiederum ist üblicherweise versichert.

Also alles kein Problem, würde der Laie sagen — aber nicht das Versicherungsunternehmen. Das wandte sich vor einigen Monaten an die Lista GmbH mit der Bitte, die Transportverpackungen soweit zu verbessern, dass die Zahl der Schäden sinkt. Wiebe: „Wir haben uns daraufhin an unseren Verpackungslieferanten, die Firma ISK Verpackungen aus Remscheid, gewandt.“

Flexible Lösung gesucht

Als Hersteller für polsternde Verpackungen und Systemlieferant für Stückgut-Transport- und Versandverpackungen arbeiten wir eng mit unseren Kunden zusammen", sagt Jürgen Rothermel, Geschäftsführer von ISK. „Zum Service gehört natürlich auch, das Know-how für spezielle Anforderungen bereitzustellen. Als wir von der Situation bei Lista erfuhren, haben wir sofort unseren ,Packman' eingeschaltet!“

Der Packman, das ist Michael Horstendahl, ein freiberuflicher Verpackungsberater, der seit Jahren eng mit ISK zusammenarbeitet und bereits viele Lösungen für Kunden erarbeitet hat. Horstendahl analysierte zunächst den Ist-Zustand. „Es ist ja nicht so, dass Lista seine Schränke zuvor gar nicht verpackt hätte", sagt Horstendahl. „Aber die Verpackung war nicht auf die besondere Anforderung zugeschnitten.“

So hatten die Verpacker versucht, mittels Luftpolsterfolie, Holzleisten und starrer MDF-Platten ihre empfindlichen Schränke gegen Stöße beispielsweise von Gabelstap1er-Zinken zu schützen. Das war jedoch nicht nur sehr aufwändig und damit teuer, sondern auch wenig effizient. „Die unflexiblen Platten gaben die Stöße auf der ganzen Fläche weiter, ohne ihre Energie aufzunehmen", erklärt Horstendahl. „So kam es oft zu großflächigen Beulen und Verzug —Türen schlossen z.B. nicht mehr richtig.

Ein weiteres Problem war die aufwändige Entsorgung der verschiedenen Verpackungsmaterialien. Hinzu kam, dass die Verpackung nicht zu teuer werden durfte.

„Für mich war nach der ersten Analyse sofort klar, dass hier nur eine Einstofflösung auf der Basis von Wellpappe infrage kam“. erinnert sich Horstendahl. Seine Idee: Ein Bogen aus einlagiger Wellpappe sollte Vorder- und Rückseite der Schränke schützen, mit einem aufgeklebten Rammschutz aus einem weiteren Streifen Wellpappe am unteren Ende. Das Material wurde so gestaltet, dass es auf der erst 2014 bei Lista errichteten vollautomatischen Montage- und Verpackungslinie einschließlich Stretchfolienroboter verarbeitet werden kann. Die Zuschnitte liefert ISK Verpackungen. „Wellpappe ist nachgiebig und in der Lage, einen Großteil der Stöße abzufangen", erklärt Horstendahl. „Die Ergebnisse mit dieser ersten Lösung waren ermutigend und zeigten, dass wir in der richtigen Richtung unterwegs waren.

Nach erneuter Bewertung schlug Horstendahl ein überarbeitetes Design vor: Der Wellpapp-Bogen sollte nicht nur die großen Flächen bedecken, sondern auch einige Zentimeter um die Kanten herumreichen.

Damit wurde ein ausreichender Kantenschutz erzielt, ohne dass zusätzliches Material wie Kunststoffwinkel oder dergleichen erforderlich gewesen wäre. „Es ist noch zu früh, genaue Zahlen zu nennen, aber ich schätze, dass die leichten Transportschäden um ca. 90 Prozent zurückgegangen sind" so Horstendahl, und auch Dietrich Wiebe spricht von einem „deutlich spürbaren Rückgang".

Noch ist Horstendahls Einsatz aber nicht beendet: „Das ist ein laufender Prozess sagt der ,Packman‘, „bestehend aus Versuch, Bewertung und ggf. erneuter Anpassung der Verpackungslösung." Dietrich Wiebe jedenfalls ist jetzt schon sehr zufrieden, mit einer vergleichsweise simplen Lösung ein so gutes Ergebnis erzielt zu haben. Die Versicherung übrigens auch.

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